Hintergrundinformation

Presseinfo zum Baubeginn:
Gruft ist nicht mehr sanierbar - Rückbau der neuen Burgkschen Gruft in der Schleizer Bergkirche beginnt am Montag
(15.10.2007) Am kommenden Montag beginnt der Rückbau der neuen Burgkschen Gruft in der Schleizer Bergkirche. Darüber informiert Pfarrer Ingolf Scheibe-Winterberg.

Die Anlage wurde 1639 erbaut und diente als Gruft für das Fürstenhaus Reuss. 1676 wurde sie um die benachbarte, so genannte "Fürstengruft" erweitert. Ingolf Scheibe-Winterberg weist darauf hin, dass sich in den letzten Jahrzehnten ein dramatischer Verfall der gesamten Anlage abzeichnete. Besonders betroffen sei die neue Burgksche Gruft, die nicht nur akut einsturzgefährdet ist, sondern auch den Turm der Bergkirche in Mitleidenschaft zieht.
OTZ berichtete 1996 über die Umbettung der Särge aus der neuen Burgkschen in die Fürstengruft. Seit dieser Zeit sind keine Besichtigungen mehr gestattet worden. Damals hatten Kirchgemeinde und Stadt die Hoffnung, dass vom Land Thüringen Fördermittel für eine Sanierung der Gruft bereitgestellt werden. Die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Von den für das Jahr 1998 beantragten umgerechnet rund 60 000 Euro für die Sanierung der neuen Burgkschen Gruft wurden lediglich 5 000 Euro bewilligt. Damit konnte der bestehende Plan zur Sanierung nicht umgesetzt werden. Ingolf Scheibe-Winterberg merkt an, dass die Kosten schon in der 80er Jahren die Möglichkeiten der Kirchgemeinde überstiegen, zudem waren die Verantwortlichkeiten ungeklärt. Ein Notdach - einst Provisorium, jetzt Dauerlösung - konnte den Wassereintrag und Zerfall des Backsteingewölbes nicht aufhalten.

Nun hat sich eine Interessengemeinschaft aus dem Haus Reuss, der Friedhofsverwaltung und der Evangelischen Kirchgemeinde gebildet. "Indem die Kosten und der Arbeitsaufwand auf mehrere Schultern verteilt werden, kann nun endlich etwas an den Grüften getan werden", so der Pfarrer.
Oberstes Ziel sei es, eine würdige Ruhestätte für die zum Teil in erbärmlichem Zustand befindlichen Särge zu schaffen und die Bergkirche selbst vor weiterem Wasserschaden zu bewahren.
Eine Rettung der neuen Burgkschen Gruft ist allerdings nicht realisierbar, zu groß ist der entstandene Schaden. Eine Genehmigung zum Rückbau ist von der Denkmalbehörde erteilt worden. An gleicher Stelle werden einige der beschädigten Särge erdbestattet. Eine Gedenktafel wird die Namen der Reussischen Familienmitglieder festhalten, auch ist daran gedacht, die Balustrade ebenerdig wieder aufzubauen, die an die Gruft erinnern soll.
Die Fürstengruft dagegen soll erhalten werden, eine Drainage, Abdichtung des Daches und Sanierung im Inneren wird es in Zukunft wieder erlauben, die Prunksärge zu besichtigen, blickt der Pfarrer voraus.

Von OTZ-Redakteur Uli Drescher Schleiz. 13.10.2007


Haus Reuss will sich engagieren
07.10.2008 Gedenkfeier der Familie Reuss an der Grabanlage hinter der Schleizer Bergkirche am vergangenen Sonntag.

Familientag in Ostthüringen endet mit Gedenkfeier an der Bergkirche in Schleiz

"Die Familie Reuss will sich in der Region engagieren", sagt Heinrich XIV. Erbprinz Reuss. Man habe sich dazu beim Familientag der Reussen in Greiz am vergangenen Wochenende verständigt. Konkrete Projekte seien die Familiengruft an der Schleizer Bergkirche, das Privatarchiv im Oberen Schloss von Greiz, aber auch das Heinrichstift in Hohenleuben, das vom Christlichen Jugenddorfwerk als Sozialtherapeutisches Zentrum geführt wird.

Fast alle noch lebenden Nachfahren des hiesigen Adelsgeschlechts aus der ganzen Welt, das seinen Ausgangspunkt mit Anna Elisabeth Sinzendorff (1659 - 1683) in Ebersdorf hat, waren am vergangenen Wochenende in Ostthüringen, um ihren traditionellen Familientag durchzuführen. "Es war ein sehr schönes Treffen", sagt Heinrich XIV. Er bedauerte, dass eine angeheiratete Reussin - die ehemalige Abba-Sängerin Anni-Frid Lyngstad und heutige Prinzessin Reuss von Plauen - nicht dabei sein konnte. Dafür nahmen ihre beiden Stieftöchter Hennriette und Pauline daran teil. Anni-Frid war bis zu seinem Tode 1999 mit Heinrich Ruzzo Prinz Reuss von Plauen verheiratet.

Die meisten "Heinriche", ihre Ehefrauen und Kinder, wohnten im Seehotel Zeulenroda. Auftakt war am 3. Oktober eine Familienkonferenz im Kleinen Fürstensaal des Oberen Schlosses in Greiz. "Die aufwändige Restaurierung und Sanierung des Schlosses hat die Familie sehr beeindruckt", sagt der Erbprinz, der das Treffen im Auftrage seines 89-jährigen Vaters Fürst Heinrich IV. (Ernstbrunn bei Wien) leitete. An das derzeitige Familienoberhaupt werden sich einige Greizer erinnern, denn es gab kurz nach der Wende eine Greizer Ausstellung in Stuttgart, bei der das Fürstenpaar aus Niederösterreich zugegen war. Für das Reussische Privatarchiv im Oberen Schloss kündigte Heinrich XIV. einige Leihgaben an, die das Archiv bereichern können.

"Eigentlich war es ein ganz privates Treffen von 48 Familienmitgliedern, aber der Greizer Bürgermeister wollte uns offiziell begrüßen", sagt Heinrich XIV. "Davon waren wir sehr angetan." In der Familienkonferenz wurde u.a. über das Engagement in Ostthüringen beraten. Die vielen negativen Schlagzeilen über die Klagen um früheres Eigentum sieht der Erbprinz mit Unbehagen. "Wir sind uns hier auch in der Familie nicht immer einig", räumt er ein. "Wenn es hier in der Zeitung immer heißt, das Haus Reuss will dieses und jenes haben, dann stelle ich mal fest, dass ein Mitglied des Hauses nicht die ganze Familie ist." Konkret geht es um Heinrich den XIII., der sowohl mit Immobilien in Gera und Umgebung als auch mit dem Streit um die Rückgabe einer wertvollen Uhr aus dem Museum Schloss Burgk für negative Schlagzeilen sorgte (OTZ berichtete) und am Treffen auch nicht teil nahm. Zur Erinnerung: Die Bodenstanduhr von Roentgen/Kinzing aus dem Jahre 1793 war 2004 von Heinrich XIII. vor Gericht erstritten worden vor dem Hintergrund, dass es sich um ein Erbstück handelt, an dem viele Erinnerungen der Familie hängen. Wenige Tage nach der Rückgabe der Uhr an den Kläger stand das teure Stück im Auktionshaus Christie"s in London zum Verkauf, erzielte aber nicht den erwünschten Preis. Heinrich XIV. bricht für dieses Denken andererseits auch eine Lanze. "Aus dem Erlös des Verkaufs vieler ehemaliger Teile reussischen Besitzes wurden Grundstücke von der Treuhand zurückgekauft." Auch er selbst betreibe in Aga bei Gera mit der "Reuss"sche Güter Aga KG" ein landwirtschaftliches Unternehmen und habe damit Arbeitsplätze geschaffen.

Die Familie besuchte nach Greiz auch die Osterburg in Weida und das Heinrichsstift in Hohenleuben, das "vom Urgroßonkel begründet wurde". Für das Stift will man sich finanziell engagieren.

In Schleiz nahm die Familie am Erntedankgottesdienst in der Bergkirche teil. Danach besuchten alle die Grabanlage und nahmen eine Gedenkfeier mit Pfarrer Scheibe-Winterberg wahr. Seit vielen Jahren ist die Gruft an der Bergkirche in einem äußerst bedenklichen Zustand. "Wir gehen mit der Kirchgemeinde hier in Schleiz überein, dass die Gruft künftig wieder öffentlich zugänglich sein soll und werden uns an der weiteren Sanierung beteiligen", so Heinrich XIV. Auch sollen die Särge restauriert und mit Erläuterungen versehen werden. Er selbst hatte bereits gemeinsam mit dem Bauhof der Stadtverwaltung, der Kirchgemeinde und eigenen Mitarbeitern den Rückbau der Burgkschen Gruft bewerkstelligt, die baulich nicht mehr zu sanieren war. Acht Särge, die einst in der Gruft gestanden hatten und in den 90er Jahren in die Fürstengruft umgesetzt wurden (OTZ berichtete), wurden an Stelle der abgerissenen Gruft erdbestattet. Heinrich XIV. verweist darauf, dass der Familie sehr viel an der Grabanlage in Schleiz liegt, da hier alle Ahnen der heute noch lebenden Familie bestattet sind.

Von OTZ-Redakteur Uli Drescher Schleiz/Greiz. 07.10.2008