Baustelle Bitumenreste
Baustelle
ganz oben drauf:
die Estrichschicht muß entfernt werden
gleich darunter:
eine Bitumenschicht sollte eigentlich
für Dichtigkeit sorgen
zwischen Bitumen und Gewölbe:
Auffüllung mit Bauschutt

Fürstengruft wird dicht gemacht
Sanierungsarbeiten an der Schleizer Bergkirche wieder aufgenommen

Von Matthias Streit Schleiz (OTZ). Widrige Wetterverhältnisse sorgen für erschwerte Arbeitsbedingungen an der Schleizer Bergkirche. Dennoch stehen seit gestern Vormittag wieder die Sanierungsarbeiten der Fürstengruft im Fokus der Bauarbeiten. Innerhalb der nächsten Woche soll nun das Gewölbe der Gruft freigelegt werden.

Dass sie auf diese Wetterkapriolen nicht eingestellt waren, wusste auch Vorarbeiter Mike Haßkarl von der Firma Dreikant aus Weimar zu berichten. Trotzdem lärmen seit gestern die Presslufthämmer über der Fürstengruft. Denn schon bis Ende nächster Woche soll die Estrichdecke der alten Terrasse abgetragen werden. Diese stammt vermutlich aus frühen DDR-Zeiten, als schon einmal versucht wurde, die Terrasse abzudichten. Leider erfolglos. Wie Bergkirchnerin Ulla Enderlein mitteilt, wurde die Balustrade, die einst die Terrasse zierte, bereits im vergangenen Jahr abgebaut. Sie stammt noch vom Umbau aus dem Jahre 1895 und steht nun zum freien Verkauf.

Sobald das Gewölbe freigelegt ist, sollen die Arbeiten zum neuen Dachaufbau beginnen. Geplant ist ein Blechdach, das im Mai dieses Jahres fertiggestellt werden soll. Diese Idee ist in der Historie der Schleizer Bergkirche jedoch keine Innovation: Bereits in der ursprünglichen Fassung aus dem Jahre 1676 schmückte die Fürstengruft der Familie Reuss ein Spitzdach.

Anlass zur Sorge gaben im Jahre 2007 schwere Wasserschäden, die sowohl an Decken und Wänden, als auch an den 43 eingelagerten Särgen aufgefunden wurden. Die Terrasse, die gleichzeitig das Dach der Gruft bildete, war undicht und machte eine komplette Sanierung unumgänglich. Auch die Särge, unter ihnen wertvolle Exemplare aus verziertem Kupferblech, werden momentan restauriert. Sie sollen später wieder ihren Platz in der Gruft einnehmen.

Schwerwiegende Schäden wurden damals auch an der benachbarten Burgkschen Gruft festgestellt. Da diese nicht nur akut einsturzgefährdet war, die Schäden aber auch den Kirchturm in Mitleidenschaft zogen, konnte die ältere der beiden Grüfte, sie wurde bereits im Jahre 1639 erbaut, nicht mehr gerettet werden. Einige der darin befindlichen Särge waren bereits so beschädigt, dass sie erdbestattet werden mussten. In Zukunft wird eine Balustrade an die Burgksche Gruft erinnern, die im Zuge der Sanierungsarbeiten an alter Statt errichtet werden soll.

Die Finanzierung wird zum größten Teil von Fördermitteln des Denkmalschutzes, des Bundes und des Landes Thüringen übernommen. Dennoch muss die Kirchgemeinde selbst einen beträchtlichen Teil an Geldern zusteuern. Das Haus Reuss beteiligt sich an den Kosten für die Restauration der Särge mit 3500 Euro.

Vorarbeiter Haßkarl, der für die Sanierung alter Kirchen schon weit herumgekommen ist, weiß den Wert der Bergkirche wohl zu schätzen. Denn, so meint er: "Eine prunkvolle Kirche wie diese findet man sonst eigentlich nur im katholischen Bayern."KommentarZur Geschichte der Grüfte 1639 Fertigstellung der Burgkschen Gruft 1676 Die Anlage wird um den Bau der Fürstengruft erweitert 1887 bis 1895 Das ehemalige Dach wird abgetragen und durch eine terrassenähnlichen Plattform ersetzt 1903 Eine Holztür mit eingeschnitztem Wappen der Fürstenfamilie Reuss wird angefertigt, ergänzt die bereits vorhandene Eisentür Mitte 20. Jahrhundert Versuche zur Abdichtung der Plattform scheitern mehrfach.

08.03.2010