Hier dreht es sich um den Diebstahl eines Altargemäldes.
Ursprünglich war im Altar - in der Predella, so heißt die Stelle über dem Altartisch - die "Grablegung Christi" zu sehen, ein Ölgemälde auf Holz gemalt.
Es soll nach neuesten Recherchen eine Cranach-Kopie gewesen sein, so wie andere Gemälde in der Bergkirche auch Kopien von Gemälden großer Künstler sind.

Doch dann fielen 1806 Napoleons Soldaten in der Bergkirche ein.

In der Chronik steht es so:
"1806, 11./12. Oktober - Umwandlung der Bergkirche zu einem Pferdestall durch die Franzosen.
Verbrennung der Türen und Bänke. Beschädigung der Grabdenkmäler. Beraubung des Altars und der Grüfte.
1806, 16./17. Oktober - Preußische Gefangene und Verwundete in der Kirche.
1806, 20. Oktober - 1500 Gefangene in der Kirche."

"Beraubung des Altars" ist sehr kurz gefaßt. Wir kennen aber die näheren Umstände, denn es gibt die Inschrift an der Stelle des geklauten Bildes.

(Wortlaut in Original-Rechtschreibung:
Länger als vierzig Jahre blühte das Land der frommen und guten
Reußen im Genuß der Segnungen eines beglückenden Friedens. Und
es blieben ihm diese Segnungen noch, als schon fünfzehn Jahre lang die schönsten Gegenden
Deutschlands des Krieges Verheerungen Preiß gegeben waren. Doch nach der göttlichen
Vorsehung Willen wurde es endlich im October 1806 auch des wilden Krieges
Schauplatz; ja dieser Tempel selbst der Krieger Wohnung. Des Alta-
res Zierde: eine Abbildung der Grablegung des Erlösers ging
dabey verloren. Statt derselben befestigte man dieses Bildniß des
unvergeßlichen Heinrich Posthumus des frommen Erneuerers dieses
Tempels. Möge sein Wahlspruch: ICH BAU AUF GOTT!
Auch ferner wie zeither der seiner Nachkommen und aller ihrer
treuen, durch sie beglückten Unterthanen bleiben! Dann wird Gott sie
alle wieder seegnen, wie sie und ihre Vaeter vorhin, und bald werden
wieder heilen die Wunden des Krieges.

Zusätzlich gibt es eine ganze Reihe von Schleizer Zeitzeugen,
die damals die Soldaten und die Gefangenen mit Essen versorgen mußten
und die, die als Erste in die verwüstete Kirche kamen.
Die Ereignisse sind mehrfach aufgeschrieben worden und heute in Archiven zu finden.
Außerdem haben die Franzosen genau aufgelistet, was sie auf ihren Kriegszügen geklaut haben!
Darüber gibt es ein gedrucktes Büchlein auf Französisch:
(bitte danach googeln...)

Statues, Bustes, Bas-Reliefs, Bronzes, Et Autres Antiquites, Peintures, Dessins, Et Objets Curieux: Conquis Par La Grande Arm E, Dans Les Ann Es 1806 Et 1807:
Dont L'Exposition a Eu Lieu Le 14 Octobre 1807, Premier Anniversaire de La Bataille D' Jena.


Nun ist der Fall eigentlich geklärt:

die Täter sind bekannt,
die Umstände sind geklärt,
die Beute ist bekannt - nur eben leider noch verschollen ...
... bedauert Bergkirchnerin Ulla Enderlein