Bergkirche St. Marien zu Schleiz

Die Orgel

Orgel

Zum ersten Mal erklang im Oktober 2007 das von Orgelbaumeister Bernhard Kutter aus Ruhla (zuvor Waltershausen) und seinen Mitarbeitern erbaute mechanische Orgelwerk.

Der reichverzierte Prospekt stammt von der 1638 durch Jakob Schädlich aus Joachimsthal in Böhmen erbauten Orgel.
1896 erweiterte Ernst Poppe aus Roda das Gehäuse und baute ein romantisches Instrument mit pneumatischer Traktur ein, das 1897 eingeweiht wurde.
1945 - 47 erfolgte, zusammen mit der Beseitigung von Kriegsschäden, eine Umdisponierung und Ergänzung mit Registern, die sich jedoch nicht in das romantische Klangbild einfügten. Der Klang war insgesamt unbefriedigend und stand im völligen Widerspruch zu dem altehrwürdigen Orgelprospekt. Die gesamte pneumatische Spiel- und Registertraktur war schon bauartbedingt sehr anfällig und störungsintensiv, so daß das Instrument zuletzt nicht mehr einsatzfähig war. Eine Restaurierung des Instruments mit Rückführung auf den Zustand von 1897 wäre mit einem erheblichen Aufwand verbunden gewesen und hätte dennoch die technischen Mängel nicht zufriedenstellend beseitigen können.
Seit 1979 gab es deshalb immer wieder Bemühungen um einen Orgelneubau. Nach erneuter Ausschreibung im Jahr 2002 und intensiven Vorbereitungen konnte schließlich der Auftrag erteilt und im Jahr 2004 mit den Arbeiten begonnen werden.

23 Register, verteilt auf Hauptwerk, Oberwerk und Pedal, ermöglichen das Darstellen von Werken des Barock bis zur Romantik. 
Die Disposition bildet mit dem einzigartigen Renaissanceprospekt und der reichen barocken Ausstattung der Bergkirche eine Einheit.
Das neue Orgelwerk weist einige Besonderheiten auf:

- Es sind zwei Tremulanten eingebaut: ein Kanaltremulant für das Oberwerk und ein elektrisch angesteuerter Tremulant für beide Manualwerke.
- Das Register Regal 8' im Oberwerk steht in einem Holzkasten, mit per Registerzug zu öffnenden Klappen. Geöffneter Kasten - Regal 8', geschlossener Kasten - Echo Regal 8'.
- Bei dem Zug "Vivus Ventus" (lebender Wind) gelangt der Orgelwind direkt vom Hauptbalg in die Laden - sonst durch zwischengeschaltete Ausgleichsbälge. Dadurch entsteht eine leichte Windstößigkeit.
- Es wurde eine Subkoppel eingebaut, mit der die Register des Oberwerkes an das Hauptwerk gekoppelt werden und eine Oktave tiefer erklingen. Gerade für Werke der Romantik ist dies eine große Bereicherung.

Das im 19. Jahrhundert erweiterte Orgelgehäuse wurde zurück gebaut und in Naturholz belassen, um die Form des Prospektes wieder hervor zu heben. Die komplette Spielanlage wurde ebenfalls passend zum Prospekt in meisterhafter Handwerksarbeit gefertigt.

Der Orgelneubau konnte gelingen, weil es viele Menschen gab, die sich dafür mit Sachverstand, Zeit, Geld und vielen originellen Ideen engagiert haben.

Die neue Orgel erklingt zu Gottesdiensten und Konzerten jeden Sonnabend 16.00 -16.30 Uhr während der Tourismus - Saison zum Kleinen Orgelkonzert.